Ist der Islam stets durch Eroberung verbreitet worden?

Die gängige Vorstellung, der Islam sei als religiöses Bekenntnis durch den Glaubenskampf (Dschihad) „mit Feuer und Schwert“ verbreitet worden, ist für die meisten eroberten Gebiete falsch.

Dschihad [dʒiˈhaːd] (arabisch: جهاد dschihād, „Anstrengung, Kampf“); auch Djihad oder gelegentlich in der englischen Schreibweise Jihad) ist eine Verkürzung von al-dschihādu fī sabīl illāh / الجهاد في سبيل الله , wörtlich: „der Kampf auf dem Wege Gottes“.

Dschihad stellt ein wichtiges Glaubensprinzip des Islam dar, von manchen wird er gar als das wichtigste Glaubensprinzip des Islam angesehen. Seine Bedeutung im Islam ist so groß, dass zeitweise diskutiert wurde, ob der Dschihad zur sechsten „Säule des Islam“ erklärt werden sollte.

Der Begriff Dschihad (wörtlich: Anstrengung, Abmühen, Einsatz) findet sich bereits in den ersten mekkanischen Offenbarungen, in der noch keine Rede von Kriegen war. Gehorche nun nicht den Ungläubigen (den Polytheisten), sondern setze dich damit (d.h. mit dem Koran) mit großem Einsatz (=großem Dschihad) auseinander (Sure 25,52). Der Wortstamm j-h-d verweist in seiner nominalen und verbalen Form auf einen geistigen, gesellschaftlichen Einsatz. Das Wort Jihad bezeichnet in erster Linie eine entschlossene geistige Haltung. Ausgehend von dieser Grundbedeutung bezeichnete Dschihad in medinensicher Zeit (vermutlich ab dem 2. Jahr der Hidschra) den Einsatz für den Islam schlechthin, mit der Betonung auf den Einsatz von Vermögen und Leben (vgl. auch Sure 8,72).

Es widerspricht dem koranischen Wesensgehalt von Dschihad, ihn als „heiligen Krieg“ aufzufassen. Auch qital, der Krieg zum Schutz der islamischen Umma, ist kein „Heiliger Krieg“. Krieg ist aus islamischer Sicht nie „heilig“; selbst der Verteidigungskrieg ist ein notwendiges Übel. Im Gegensatz zur koranischen Intention erhielt der Dschihad in der Zeit nach Muhammads Tod einen anderen Stellenwert: Weltliche Kämpfe und Kriege um wirtschaftliche und politische Macht erhielten eine „religiöse Weihe“ , wurden zu einem Dschihad hochstilisiert, vergleichbar den „christlichen“ Kreuzzügen. Dagegen hat Muhammad im Sinne des Koran einer Überlieferung zufolge zwischen einem „kleinen“ und einem „großen“ Dschihad unterschieden: Während die Opferung von Vermögen und Leben für die Verteidigung als „kleiner Dschihad“ bezeichnet wird, gilt der „große Dschihad“ dem Kampf gegen die eigenen Fehler und schlechten Eigenschaften. Entsprechend dem Begriffsfeld von Dschihad, das in seiner umfassenden Form jede große Anstrengung für ein gottgefälliges Ziel umfasst, mit einem ähnlichen Spektrum wie das deutsche Wort „Kampf“ („Kampf gegen Analphabetentum“ =moralisch hochstehende Handlung; dagegen- nicht gottgefällig-: „Kampf um die Alleinherrschaft“), unterscheiden heute islamische Autoren mit Vorliebe drei Erscheinungsformen des Dschihad: persönliche Opfer gegen einen äußeren Feind; Kampf gegen die eigenen schlechten Neigungen; Kampf für die Verwirklichung höherer Werte. In der modernen islamischen Diskussion erfährt Dschihad (in seiner religiös-moralischen Wortfeldbestimmung) sowohl eine neue Belebung als auch eine neue Interpretation: Befreiungskampf gegen Kolonialmächte Kampf gegen ungerechte Herrscher und Systeme, die eine Abhängigkeit von fremden Mächten und Unterdrückung zur Folge haben; Einsatz für die Erneuerung auf wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und kulturellen Gebiet.

Als „Einsatz für eine gottgefällige Tat“ wird Dschihad auch verwendet, um die islamische Massen zu verschiedenartigen Erneuerungen zu motivieren.

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