Verüben auch Muslime Anschläge auf Alewiten?

In den letzten Jahren haben islamische Fundamentalisten auch blutige Anschläge auf Alewiten verübt.

Am 2. Juli 1993 versammelten sich islamische Fundamentalisten nach dem Freitagsgebet vor dem Madımak-Hotel, das direkt gegenüber einer Moschee lag, in dem im Rahmen eines alewitischen Kultur-Festivals zum größten Teil alewitische Musiker, Schriftsteller, Dichter und Verleger logierten, darunter Kinder und Jugendliche. Das Hotel wurde schließlich in Brand gesetzt, während auf den Straßen die Massen mit Pflastersteinen bereit standen. Wegen der aufgebrachten, wütenden Menschenmenge vor dem Hotel konnten die Menschen im Gebäude nicht ins Freie: Über 30 Menschen verbrannten im Hotel; wenige überlebten, so auch der Autor Aziz Nesin, dem laut einigen Angaben der Anschlag in erster Linie gegolten hatte. Obwohl Polizei und Feuerwehr frühzeitig alarmiert waren, griffen sie erst nach acht Stunden ein. Das Staatssicherheitsgericht in Ankara kam zu dem Urteil, daß die große Menschenmenge die Einsatzkräfte bei den Rettungsarbeiten behindert hatte.

Die Alewiten nennen diesen Anschlag das „Sivas-Massaker“. Auch wenn bei diesem Vorfall ebenso Sunniten und Angehörige anderer Nationen ums Leben kamen, sehen die Alewiten dieses Ereignis als einen Schlag gegen die alewitische Bevölkerung. Das Ereignis spielte eine wichtige Rolle bei ihrer Bewusstseins- sowie auch Organisationsbildung. Seit 2003 wird diesem Vorfall im Rahmen von Demonstrationen gedacht – zugleich wird gefordert, im Hotel eine Gedenkstätte errichten zu dürfen. 2003 marschierten ca. 500 Leute mit, im Jahr 2007 waren es schon schätzungsweise 20.000 mit hoher Medien-Präsenz und einem Einsatz von rund 3.000 Polizisten. Der türkische Staat zeigte bis heute wenig Interesse an der Aufklärung der Tat.

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