Was beansprucht die Mischna?

Die Mischna beansprucht als mündliche Thora dieselbe Verbindlichkeit wie die schriftliche Thora des Mose.

Gleichwohl ist die Mischna kein Gesetzeskodex im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist es eine Synthese der damals vorherrschenden Meinungen unter den Gelehrten in der Akademie und im Gerichtshof in ihrer gesamten Breite und auch Widersprüchlichkeit. So ist eine der sechs Ordnungen vollständig dem Tempeldienst gewidmet, obwohl der Tempel in Jerusalem zum Zeitpunkt des Entstehens der Mischna bereits über ein Jahrhundert in Trümmern lag.

Bemerkenswert an der Mischna ist ferner die mangelnde Begründung der darin zusammengeführten Gesetze aus den heiligen Schriften der Juden. Nach der jüdischen Tradition wurde das mündliche Gesetz gleichzeitig mit dem geschriebenen Gesetz überliefert, es wird also nicht direkt davon abgeleitet. Die Herstellung einer Verbindung zwischen den Gesetzen der Mischna und der Tora war in den folgenden Jahrhunderten ein wesentliches Betätigungsfeld von Talmud und Midrasch.

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