Was bedeutet Nihilismus?

Grundsätzlich wird als Nihilismus eine Weltanschauung bezeichnet, die alle Werte und Normen als nichtig ansieht. Manche konservativ-christliche Strömungen werfen ihren Gegnern Nihilismus vor, da sie sich nicht an der Religion orientieren, die allein Begründungen für Sinnhaftigkeit liefern könne. Säkulare Strömungen wie der Materialismus bestreiten dies dagegen. Als Selbstbezeichnung im religiösen Sinn kann Nihilismus auch lediglich die bewusst unwissende Stellung zur Existenz übernatürlicher Phänomene bedeuten. Von Nihilisten in diesem Sinne wird sowohl die bejahende wie die verneinende Stellung zu Gott als Glaubenshaltung abgelehnt.
Dem Buddhismus wurde oft vorgeworfen, er sei eine nihilistische Lehre. Dies bezog sich auf seinen Begriff des Nirwanas, der jedoch mit Nihilismus wenig gemein hat, denn Nirwana ist nicht, wie oft angenommen, ein Ort des Nichts, sondern die buddhistische Idealvorstellung vom Ende des Leidens. Der Hintergrund ist hier in einer laxen Übersetzungsgeschichte zu suchen („Nirwana“ zu „Nichts“), ebenso wie in metaphysischen Vereinfachungen, soweit der Satz „Es gibt keine Erkenntnis und […] nichts zu erreichen“ usf. (Herz-Sutra) wie oben auch als Konzentration auf das Seiende (den Gegenstand der Meditation oder den Arbeitsprozess) interpretiert werden kann, indem jede mögliche abschließende Erkenntnis durch Setzung eines weiteren Horizonts überschritten wird („Darüber hinaus, darüber hinaus, ans nächste Ufer, höchste Weisheit“; Herz-Sutra Mantra). Shunyata (Leerheit) kann entsprechend das Fehlen von Anhaftungen und Verwerfungen des Ich durch die radikale Ausdifferenzierung des außer- oder überweltlichen Selbst als Nicht-Selbst wie auch das Allgemeinste am jeweils Besonderen (auch dem menschlichen Dasein) bedeuten. Shunyata verweist auf die Substanzlosigkeit aller Phänomene infolge ihrer Abhängigkeit von bedingenden Faktoren.

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