Was versteht man unter dem Begriff „Pogrom“?

Das Wort Pogrom stammt aus dem Russischen und bedeutet Hetze, Ausschreitungen gegen bestimmte Gruppen. Solche Ausschreitungen gab es vor der Nazi-Herrschaft 1933-1945 in größerem Umfang im 19. Jahrhundert in Russland. Viele Ostjuden wanderten deshalb nach Amerika und Westeuropa aus.

Unter einem Pogrom versteht man eine gewaltsame Massenausschreitung gegen Mitglieder einer religiösen, nationalen, ethnischen oder andersartigen (etwa durch Nutzung fiktiver Kriterien geschaffenen) Minderheit einer Nationalität oder Bevölkerung, verbunden mit Plünderung und Misshandlungen bis hin zu Mord und Genozid.

Der Begriff stammt aus dem Russischen und bedeutet übersetzt Verwüstung, Zerstörung, Krawall (погрóм, abgeleitet von громить = demolieren, zerstören). Der Begriff wird zunächst verwendet für die Judenverfolgungen im Mittelalter durch die Christen. Diese Judenverfolgungen waren religiös motiviert: Im Laufe der Jahrhunderte nach Jesu Kreuzigung verschärfte sich die Ansicht, dass „die Juden“ insgesamt am Tode Jesu schuld waren und insofern „Gottesmörder“ seien. Auch für die Pest-Epidemie im 14. Jahrhundert waren „die Juden“ wieder die Sündenböcke in ganz Europa. Erleichtert wurden diese Massenverfolgungen durch die für Christen als Besonderheiten der isr. Religionsgemeinschaft erscheinenden „anderen“ Lebensformen und deren (meist erzwungenem) Zusammenleben in Ghettos.

Bohdan Chmelnyzkyj, 1654 Gründer des Kosakenstaates, war auch für antisemitische Übergriffe berüchtigt. Während dieser Kämpfe sollen Pogrome über 100.000 Polen und jüdischen Russen das Leben gekostet haben.

Juden-Pogrome traten sodann im zaristischen Russland (heute Polen, Ukraine, Weißrussland, Bessarabien) in regelmäßigen Abständen auf. Als erstes Pogrom der modernen Zeit gilt das Juden-Pogrom von Odessa, 1821. Über die Gründe ist nichts näher bekannt, anzunehmen ist allerdings, dass ihnen antisemitische Ressentiments zugrunde lagen, da sich in Pogromen massenhaft irrationale Bedrohungsvorstellungen ausleben. Zwischen 1903 und 1906 kamen bei Pogromen in Russland schätzungsweise 2000 jüdische Russen ums Leben. Besonders bekannt wurden die Pogrome von Kischinew in der heutigen moldawischen Hauptstadt Chişinău. Sie wurden wohl zumindest teilweise von der russischen Regierung bewusst geschürt. Aufgrund dieser Ereignisse kam es zu einer ersten größeren Auswanderungswelle russischer Juden nach Palästina.

Später wurden auch staatlich ausgelöste Verfolgungsaktionen gegen Juden als Pogrome bezeichnet, beispielsweise die Novemberpogrome 1938 (auch „Reichskristallnacht“ genannt. Weil die fabrikmäßigen Massenmorde von jüdisch-gläubigen Menschen in/aus ganz Europa durch die Nazis selbst mit dem Wort Genozid nur unzureichend zu fassen war und über jeden Pogrom der Geschichte bis heute weit hinaus ging, wurde dafür das Wort „Shoa“ in der Nachkriegszeit für die Nazimorde neu definiert.

Noch heute gedenken deutsche Juden in tiefer Trauer des großen Pogroms von Köln im Jahre 1096 während des Deutschen Kreuzzugs.

Einer der letzten, vielleicht sogar der letzte antijüdische Pogrom in Europa fand 1946 im polnischen Kielce statt.

Rückblickend werden heute auch vergleichbare Ereignisse des Altertums als Pogrom bezeichnet.

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