Welche Sünde vergibt Gott im Islam nicht?

Die einzige Sünde, die Gott nicht vergibt ist die sogenannte „Beigesellung“ (arabisch „schirk“), was so viel wie Vielgötterei bedeutet. Die im Koran offenbarten göttlichen Gesetze sind ganz diesseitig formuliert und verlangen im Alltag strenge Befolgung.

Der für das islamische Fiqh wichtige arabische Begriff Schirk (arabisch: شرك širk) bedeutet „Götzendienst“, „Polytheismus“, „Abgötterei“, „Idolatrie“ oder ähnliches. Er kommt von der Wurzel scharika, die in der Grundbedeutung „teilnehmen“, „Anteil haben“ heißt. Schirk heißt also, andere oder anderes an der Einzigkeit Gottes teilnehmen zu lassen: aschraka (أشرك ). Gegenbegriff ist Tauhid (توحيد tawḥīd) „Monotheismus“ von der Wurzel W-ḥ-d (وحد) „einzig oder allein sein“.

Der Begriff ist deshalb wichtig, weil der Islam laut Koran keinen Polytheismus duldet. Darunter fällt auch die Anbetung – auch in Form des Bittgebets (du’â‘) – eines anderen als des einzigen Gottes (Allah). Es ist verboten, einen Menschen, die Engel, oder einen Lokalheiligen um Hilfe zu bitten. Dieser Punkt wird jedoch von Seiten der Sufis (islamische Mystiker) unter Umständen anders gesehen als von orthodoxen Muslimen, da innerhalb des Sufismus und des Volksislams auch verschiedene Formen der Heiligenverehrung existieren.

Im Koran werden Schirk und die Polytheisten (muschrikun) in den mekkanischen Versen noch nicht angesprochen. In den verbalen Auseinandersetzungen der Offenbarung mit dem Polytheismus wird in den medinensischen Versen vor allem auf Strafen der Heiden im Jenseits hingewiesen. Schirk ist die schlimmste Form von Unglaube. In Sure 4, Vers 48 (siehe auch Sure 4, Vers 116) wird dies deutlich zum Ausdruck gebracht:

„Gott vergibt nicht, daß man ihm (andere Götter) beigestellt. Was darunter liegt, vergibt er, wenn er will. Wenn einer (dem einen) Gott (andere Götter) beigestellt, hat er (damit) eine gewaltige Sünde ausgeheckt.“

Zwar betrachten die Polytheisten ihre Götzen als Fürsprecher und Vermittler bei Gott, aber diese können für die Götzenanbeter nichts tun. Der endgültige Bruch mit den Heiden erfolgt in Sure 9, Vers 28:

„Ihr Gläubigen! Die Heiden sind unrein. Daher sollen sie der heiligen Kultstätte nach dem jetzigen Jahr nicht mehr nahekommen…“

Im allgemeinen verstand man zur Zeit des Propheten Mohammed unter Schirk den Götzenkult der Araber auf der Arabischen Halbinsel, der sich in der Anbetung von Steinen, Bäumen und anderen Natureinscheinungen manifestierte. Der islamischen Überlieferung nach sollen in der Kaaba in Mekka rund 360 Götzen (sanam / Plural asnâm) um den Hauptgötzen Hubal aufgestellt gewesen sein, die in den Tagen der Eroberung Mekkas durch die Muslime vernichtet worden sind. Über den Götzenkult der vorislamischen Araber in und um Mekka informiert ein kleines Buch, das erst 1924 bekannt geworden ist: das sog. Götzenbuch des Hischâm b. Muhammed b. al-Sâ’ib al-Kalbî (gest. 819).

In der islamischen Rechtsliteratur tritt an die Stelle von Muschrik – „Polytheist“, „Heide“ – der umfassende Begriff kâfir – „Ungläubige“. Christen und Juden gehören jedoch, da sie ebenso wie Muslime an „den einen, einzigen Gott“ glauben, nicht zu den Ungläubigen. Allerdings können ungläubige Frauen, d. h. Jüdinnen und Christinnen, zu Ehefrauen genommen werden, nicht aber Heidinnen (muschrikât); von den letzteren erwartet man den Eintritt in den Islam, bevor sie geheiratet werden dürfen. In Sure 2, Vers 221 heißt es:

„Und heiratet nicht heidnische Frauen, solange sie nicht gläubig werden! Eine gläubige Sklavin ist besser als eine heidnische Frau, auch wenn diese euch gefallen sollte.“

Der Stellenwert eines Heiden bzw. einer Heidin in der islamischen Gesellschaft ist in Sure 24, Vers 3 deutlich definiert:

„Und ein Mann, der Unzucht begangen hat, kann nur eine ebensolche oder eine heidnische Frau heiraten. Und eine Frau, die Unzucht begangen hat, kann (ihrerseits) nur von einem ebensolchen oder einem heidnischen Mann geheiratet werden.“

Jede Art von Schirk haben die Wahhabiten im 18. Jahrhundert bekämpft; die lokale Heiligenverehrung, den Besuch von Gräbern und heiligen Stätten, ferner die angeblich heilbringenden Praktiken im Volksislam, Fürbitten am Grab eines Heiligen, Eidleistungen an solchen Orten und vergleichbare Praktiken waren für sie Bid’a. Denn gerade durch die Heiligenverehrung sei die Prophetensunna und die ursprüngliche Reinheit des Islams verfälscht worden. Diese Geisteshaltung veranlasste Mohammed b. ‚Abd al-Wahhab eine Schrift unter dem inhaltsreichen Titel Al-amr bi’l ma’ruf wa n-nahy ‚an al-munkar zu verfassen, um darin Schirk in allen seinen Erscheinungsformen zu verurteilen.

In der islamischen Ethik, bei al-Ghazzali, hat Schirk eine besondere Bedeutung; Egoismus, Hochmut und die heuchlerische Religionsausübung, um dadurch die Gunst und Bewunderung anderer Menschen zu gewinnen, ist Schirk.

In der islamischen Theologie wird die Trinitätslehre ebenfalls als Schirk abgelehnt und die Christen aus diesem Grunde nicht selten als muschrikun genannt.

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