Wer bildete die Urgemeinde?

Zunächst bildeten vorwiegend die Juden die Urgemeinde. Sie hielt sich genauso streng an die Gesetze der Thora (fünf Bücher Mose), deutete sie allerdings im Sinne Jesu und nahm dessen Lehren zusätzlich auf.

Die Jerusalemer Urgemeinde war die wohl erste Gemeinschaft des Urchristentums. Sie fand sich nach der Kreuzigung des Jesus von Nazaret in Jerusalem zusammen, um dem Volk Israel und allen Völkern die Auferstehung Jesu Christi, Vergebung der Sünden und Jesu Gebote zu verkünden, sich auf seine Wiederkunft (Parusie) und das damit verbundene Weltende vorzubereiten.
Die Urgemeinde bestand im Wesentlichen aus „Jüngern“ – Männern und Frauen -, die Jesus von Nazaret schon in Galiläa zu seinen Nachfolgern berufen hatte und die ihn auf seinem Weg nach Jerusalem begleitet hatten. Hinzu kamen Juden, griechischsprachige Proselyten und später auch „gottesfürchtige Heiden“ (mit dem Judentum sympathisierende Nichtjuden), die sich durch die Predigten der Urchristen gewinnen und taufen ließen.

Zwölf der von Jesus berufenen männlichen Nachfolger hebt die Evangelienüberlieferung als Erstberufene und Abbild der Zwölf Stämme Israels namentlich hervor. Judas Iskariot, der zu diesem Kreis gehörte, soll sich nach seinem Verrat Jesu an den Sanhedrin das Leben genommen haben; an seine Stelle trat nach Apg 1,21f LUT Matthias.

Seinen Jüngern zeigte sich Jesus nach dem NT als der Auferstandene und berief sie dabei zur Mission: Dies begründete ihre Autorität als Apostel. Dazu gehörte jeder, der nach Jesu Tod eine Erscheinung des Auferstandenen hatte und von ihm zur Mission beauftragt worden war. Dieser Kreis ging über die Zwölf hinaus: Erst Lukas identifizierte ihn mit den Leitern und Gründern der Urgemeinde. Bis wann der Zwölferkreis deren Leitung innehatte, ist ungewiss. Paulus nennt in seinem Galaterbrief (verfasst 50-57) bereits nur noch die „drei Säulen“ Jakobus, Simon Petrus und Johannes (Gal 2,9 LUT).

Nach der Zeugenliste der Urgemeinde (1.Kor 15,3-8 LUT) hatte Jakobus, der älteste Bruder Jesu, eine eigene Vision des Auferstandenen erhalten. Er war zu Jesu Lebzeiten nicht sein Nachfolger gewesen, gewann aber nach Ostern die Leitung der Urgemeinde. Er vertrat in ihr die Gruppe der „Judaisten“, die von allen neugetauften Heidenchristen die Beschneidung, also den Übertritt zum Judentum verlangten. Daher nannte Paulus ihn auch gegenüber Petrus, der sonst in allen Apostellisten an erster Stelle steht, als Hauptpartner seiner Verhandlungen über die Heidenmission. Sein Begleiter Barnabas spielte dabei eine wichtige Rolle.

Nach der Wahl von Diakonen für die Armenversorgung (Apg 6 LUT) traten neben die Apostel später auch noch sogenannte „Älteste“ bzw. Presbyter (Apg 11,30 LUT;15,6 LUT;16,4 LUT). Deren genaue Aufgaben waren ursprünglich nicht fest umrissen; die wachsende Urgemeinde existierte zunächst ohne „Vorstand“. Doch mit der Arbeitsteilung begann auch eine gewisse Ämterhierarchie, die sehr viel später in das monarchische Episkopat mündete.

Wesentliches Element der Urgemeinde waren wohl auch Propheten, die wie ihre Kollegen in Korinth direkte Offenbarungen Gottes empfingen, in „Zungen“ redeten und verschiedene „Charismen“ (Gnadengaben) mitzuteilen hatten. Mit der ungebundenen, auf individuelle Fähigkeiten und Gaben zugeschnittenen losen Organisationsform trat aber auch das Problem der Falschpropheten und Irrlehrer auf, von denen sich die Urgemeinde abgrenzen musste (Apg 20,30 LUT).

Ihre Mitgliederzahl lässt sich nur schätzen. Apg 2,41 LUT nennt 3.000 Erstgetaufte schon nach der ersten Petruspredigt, Apg 4,4 LUT bald darauf 5.000: Diese Zahlen erscheinen angesichts der vom Sanhedrin geduldeten Treffen im Jerusalemer Tempel weit überhöht. Andererseits weist die frühe Arbeitsteilung zwischen Aposteln, Diakonen und Ältesten auf eine nicht mehr von einem Dutzend Leitern zu verwaltende Größe hin: Sie wird demnach anfangs irgendwo zwischen 500  und einigen Tausend gelegen haben.

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