Wofür treten die Alewiten ein?

Die Alewiten treten entscheidend für Gewaltlosigkeit ein. Umso mehr leiden sie darunter, dass sie gelegentlich diskriminiert und schikaniert werden.

Alewiten gehen mit religiösen Vorschriften, die für orthodoxe Muslime als Pflicht und Voraussetzung gelten, dialektischer um. Nach alevitischem Verständnis ist die Scharia bzw. die Oberfläche, das Offensichtliche, in der Religion überwunden, da das Alewitentum die Mystik zum Fundament hat. Dennoch gibt es in der alevitischen Theologie vier „Tore“, von denen das erste die Scharia darstellt.

Die Alewiten lehnen generell eine dogmatische Religionsauslegung ab; das Ritualgebet (Salat) wird nicht in der konventionellen Form der Schiiten oder Sunniten verrichtet. Außerhalb des alevitischen Gottesdienstes (Cem) benötigt man für das Gebet keinen speziellen Raum oder eine spezielle Zeit. Viele Alewiten beten, wann und wo sie wollen und auf die Art, die ihnen persönlich entspricht, da sie glauben, der innere Bezug des Individuums zu Gott sei der einzig wahre, ohne einen normativen Rahmen hierfür zu benötigen. Wie die Schiiten halten sich die Alewiten an die Lehren der Imame, besonders die des Sechsten Imams Dschaʿfar as-Sādiq, lehnen aber im Gegensatz zu den Schiiten die Scharia ab. Die Philosophie des Alewitentums kann in gewisser Weise dem Pantheismus zugeordnet werden, denn sie glauben, dass jedem Menschen die Wahrheit („das Göttliche“) innewohne.

Der heutige Glaube der Alewiten ist stark vom Humanismus und Universalismus bestimmt. Im Zentrum ihres Glaubens steht daher der Mensch als eigenverantwortliches Wesen. Wichtig ist ihnen das Verhältnis zum Mitmenschen. Die Frage nach dem Tod und den Jenseitsvorstellungen ist demgegenüber für sie nebensächlich. In der alevitischen Lehre ist die Seele eines jeden Menschen unsterblich, sie strebt durch die Erleuchtung die Vollkommenheit mit Gott an.

Diese liberalen Auffassungen, vor allem die Ablehnung der Scharia, unterscheiden Alewiten von den Sunniten. Darum haben viele Sunniten, vor allem die meisten islamischen Gelehrten, Vorurteile gegenüber Alewiten und betrachten sie meist nicht als Muslime.

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