Woher stammen die arabischen Zahlen?

Das bekannteste Beispiel des Einflusses auf unser Alltagsleben sind die arabischen Zahlen, ohne die unsere Kultur und Zivilisation anders wäre.

Arabische Ziffern, genauer eigentlich Indisch-arabische Ziffern oder Indische Ziffern werden in großen Teilen der Welt einheitlich zur Darstellung von Zahlen verwendet. Sie sind eng mit der Entwicklung des Dezimalsystems verbunden und somit ein bedeutender Meilenstein in der Arithmetik. Weil ihre moderne Form uns heute so vertraut erscheint, überrascht es, dass sie auch in Europa früher anders geschrieben wurden und diese alten Formen heute unlesbar sind. In Europa tauchen sie erstmals etwa im 12. bis 13. Jahrhundert auf.

Über den genauen Entstehungszeitpunkt besteht keine einheitliche Ansicht: Einige meinen, die Araber hätten im 12. bis 13. Jahrhundert gemeinsam mit vielen mathematischen Grundlagen dieses System von den Indern übernommen, anderen zufolge entstanden im 10. Jahrhundert in Andalusien und dem Maghreb die westarabischen Ghubar-Ziffern. Weniger wahrscheinlich ist die Taktikos-Ziffernentstehungshypothese, nach der die arabischen Ziffern keine Verwandtschaft mit den indischen aufweisen, sondern aus Byzanz übernommene und durch Abschreiber entstellte Buchstaben des griechischen Alphabets sind (die im Mittelalter gemischt in Unzialen und Cursiva auftauchen, vgl. Faulmann, Buch der Schrift, S. 171)

Die aus den Ziffern gebildeten Zahlen folgen im „Westen“ derselben Systematik wie im arabischen Raum: Einser ganz rechts, links gefolgt von Zehnern, Hundertern, Tausendern usw. Da die arabische Schrift von rechts nach links gelesen wird, werden dort zweistellige Zahlen auch in dieser Reihenfolge ausgesprochen. In vielen europäischen Sprachen werden Zahlen von links nach rechts gelesen, was vor allem bei großen Zahlen den Nachteil hat, dass man erst die Ziffern zählen muss, bevor man den ersten Stellenwert aussprechen kann (Beispiel 1234567890123 = 1 Billiarde). In einigen Sprachen (Beispiel: deutsch, tschechisch) werden kleine Zahlen von rechts nach links und erst große Zahlen von links nach rechts gelesen (123 = einhundert und drei und zwanzig). Hier wurden für kleine Zahlen die arabische Sprechweise übernommen, die mathematisch eigentlich vernünftig ist. Im 10. Jahrhundert entstandenen in Andalusien und dem Maghreb die westarabischen oder Ghubar-Ziffern (vom arab. Wort für Staub, gemeint ist eine Sand-Tafel). Diese arabischen Ziffern sind im Zusammenhang mit der Algebra, der Trigonometrie, der Geometrie sowie der Astronomie in Europa übernommen worden. Leonardo Fibonacci propagierte sie 1202 in seinem Hauptwerk Liber abaci, mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert begann die allgemeine Verbreitung der arabischen Ziffern. Im Deutschen hat Adam Riese für die Verbreitung gesorgt.

Von Marokko bis Libyen verwendet man heute die gleichen Zahlen wie der Westen. Im Rest der arabischen Welt werden die sogenannten „indischen“ Zahlen verwendet, die ebenfalls eine (ost-)arabische Weiterentwicklung der tatsächlich indischen Ziffern darstellen.

Während heute Ziffern meistens so entworfen sind, dass alle Ziffern die gleiche, den Buchstaben entsprechende Höhe haben, verwendete man früher (im anspruchsvollen Schriftsatz noch heute) meistens Minuskelziffern, die Oberlängen und Unterlängen besitzen.

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