Seit wann gibt es Äbersetzungen des Korans in andere Sprachen?

Damit auch nicht das Geringste in seinen Aussagen verfälscht wurde, war es viele Jahrhunderte lang verboten, den Koran in eine andere Sprache zu übersetzen. Erst im vergangenen Jahrhundert haben islamische Gelehrte Koran-Äbersetzungen zugelassen und gefördert. Davor gab es hauptsächlich persische und türkische Äbersetzungen.

In Europa wurde der Koran erst durch die lateinische Äbersetzung bekannt, die der cluniazensische Abt Petrus Venerabilis 1143 von dem Engländer Robert von Ketton, dem getauften Juden Petrus Alfonsi, dem Mönch Hermann von Carinthia und dem Sarazenen Mohammed in Spanien anfertigen und von Peter von Poitiers stilistisch überarbeiten ließ. Diese Äbersetzung wurde 1543 in Basel erstmals gedruckt.

Diese lateinische Äbersetzung diente als Vorlage für Äbersetzungen ins Deutsche, Niederländische und Italienische. Allerdings handelt es sich dabei um eine sehr freie Äbertragung und teilweise stark zusammenfassende Paraphrasierung des Originaltextes. 1616 erschien in Nürnberg die erste deutsche Koranübersetzung von Salomon Schweigger auf 267 Seiten. Sie trug den Titel Alcoranus Mahumeticus, das ist: Der Türcken Alcoran, Religion und Aberglauben und war eine Äbersetzung aus dem Italienischen, die wiederum auf der lateinischen Äbersetzung beruhte.

Erst im Jahre 1647 erschien in Paris die erste Äbersetzung in das Französische. Der Äbersetzer, André du Ryer († 1688), hatte lange Zeit als französischer Konsul in der Levante gelebt. Er zog für diese Version auch muslimische Korankommentare hinzu.

Eine weitere bedeutende Äbersetzung erschien 1698 in Padua durch den Pater Ludovico Marracci (1612-1700), dessen Ausgabe den Koran zweisprachig Arabisch-Lateinisch nebst Anmerkungen zum Textverständnis und einer Zurückweisung (refutatio) aus römisch-katholischer Sicht enthält.

Auf Deutsch kam 1746 eine Äbersetzung von Theodor Arnold heraus. Dies war allerdings eine Äbersetzung der englischen Äbersetzung von George Sale von 1734. Johann Wolfgang Goethe verwendete diese Äbersetzung für sein Werk „West-Östlicher Diwan“.

Die erste Äbersetzung aus dem Arabischen ins Deutsche erstellte David Friedrich Megerlin (1699-1778) 1772 unter dem Titel „Die türkische Bibel, oder der Koran“ neben einem Kupferstich von „Mahumed, der falsche Prophet“. Die Äbersetzung wurde von Johann Wolfgang Goethe in einer Rezension als „elende Produktion“ bezeichnet. Megerlin ging es eher darum, den Koran als „Lügen- und Fabelbuch“ zu denunzieren. 1773 kam die Äbersetzung des Quedlinburger Hofpredigers Friedrich Eberhard Boysen heraus, die 1828 vom Orientalisten Samuel Friedrich Günther Wahl überarbeitet wurde. Alle diese bisherigen Äbersetzungen ins Deutsche spiegelten stark die dogmatischen Vorbehalte der Kirche wieder.

Wissenschaftliche Äbersetzungen im 20. Jahrhundert gibt es unter anderem von Lazarus Goldschmidt (1916), Max Henning (1901), Rudi Paret und Adel Khoury.

1798 versuchte Johann Christian Wilhelm Augusti (1772-1841) in dem von ihm herausgegebenen Auszug aus dem Koran die poetische Wirkung des Originals zu erhalten. Hierfür fertigte er seine Äbersetzung in fünffüßigen Jamben an. Mehr Erfolg hatte der Wiener Orientalist Josef von Hammer-Purgstall, ein Lehrer Goethes wie von Friedrich Rückert , dessen Auswahlübersetzung 1888 als bisher bester Versuch gilt, den Koran in poetisches Deutsch zu übertragen.

Die Ahmadiyya-Bewegung brachte Koran-Äbersetzungen in vielen verschiedenen Sprachen heraus. Der Äbersetzung steht der arabische Originaltext gegenüber. Von ihr stammt auch die erste von Moslems angefertigte Äbersetzung ins Deutsche, die 1938 der damalige Imam der Berliner Moschee Maulana Sadr-ud-Din (gest. 1981) anfertigte. Sie wurde 1964 nachgedruckt, allerdings von der 1954 herausgekommenen neuen Äbersetzung der Ahmadiyya verdrängt, die seitdem mehrfach überarbeitet wurde.

Der erste Moslem deutscher Muttersprache, der den Koran übersetzte, war Ahmad von Denffer 1996. Eine weitere deutschsprachige Äbersetzung, die auch den arabischen Text und gleichzeitig zu jedem Vers eine Auswahl aus wichtigen, auf Deutsch übersetzten Kommentaren bringt, wurde von einer Gruppe deutschsprachiger Musliminnen unter Leitung von Fatima Grimm unter dem Titel Die Bedeutung des Koran 1997 herausgegeben.

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